Den Halo-Effekt kennen inzwischen viele. Sein Pendant – der Horn-Effekt – ist aber weitgehend unbekannt. Dabei ist auch dieser Wahrnehmungsfehler nicht minder suggestiv und gefährlich. Beim Horn-Effekt reicht zuweilen schon ein einziges falsches Wort, eine einzige negativer Eigenschaft, ein verpatzter erster Eindruck – schon neigen wir dazu, unserem Gegenüber auch in anderen Bereichen ähnliche Defizite zu unterstellen. Jede Aussage wird dann kritisch hinterfragt und anders aufgenommen als sie vielleicht gemeint ist…

Beispiele für den Horn-Effekt

Ein typisches Beispiel für den Horn-Effekt sind Tippfehler in der Bewerbung. Natürlich sind die nie gut, aber sie passieren. Ab zwei Rechtschreibfehlern ist bei vielen Personalern das Maß sowieso schon voll. Dann gilt das nicht mehr als Zufall, sondern vielmehr als Indiz für eine auch sonst schlampige Arbeitsweise. Ganz nach dem Motto: „Wer schon seine eigene Bewerbung nicht sorgfältig und gewissenhaft verfasst, wird das noch viel weniger bei zugeteilten Aufgaben tun.

Alles, was der Bewerber jetzt noch schreibt oder beim Vorstellungsgespräch sagt (falls man überhaupt noch eingeladen wird), steht unter dem Generalverdacht, der Kandidat habe noch weitere Defizite. Der Horn-Effekt überstrahlt jetzt alle oder viele andere positive Eigenschaften.

Oder ein Kollege verspätet sich regelmäßig bei Meetings. Klar, auch das ist kein guter Stil und doch recht unhöflich. Vielleicht hat der Betreffende tatsächlich ein Selbstmanagement-Problem, oder aber aktuell nur wahnsinnig viel um die Ohren und kann schlecht Nein sagen. Wie auch immer, er fällt damit negativ auf Unpünktlichkeit ist definitiv ein Defizit. Und im Falle des Horn-Effekts wird dem Kollegen mit der Zeit unterstellt, dass er oder sie auch sonst nichts auf die Reihe bekommt, unzuverlässig ist, schludrig, durcheinander, nicht belastbar, und so weiter.

So kann aus wenigen missglückten Zusammentreffen ein ganz fatales Image werden. Und so etwas hält mitunter länger, als es dem Betroffenen gerecht wird.

Was der Horn-Effekt für Sie bedeutet?

Machen Sie sich bewusst, wie subtil dieser Effekt wirkt – und versuchen Sie, insbesondere die eigenen, Pauschalurteile kritischer zu hinterfragen. Oft merken Sie von dessen Wirkung gar nichts, weil das entsprechende und rechtzeitige Feedback fehlt. Dieses wird maximal hinter Ihrem Rücken ausgetauscht.

Aber das macht es ja gerade so gefährlich! Oft basiert Ihr neues Image nur auf wenigen Einzelfällen, welche auf Zufälligkeiten basieren und die mit dem Gesamtbild so wenig zu tun haben, wie viele Brösel mit einem Kuchen…

 

(Bildnachweis: Designed by Freepik)

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