Wo sind die guten Bewerber hingekommen? Demografischer Wandel, Bildungsnotstand, Fachkräftemangel – dieser Dreiklang wird selten hinterfragt. Die Managementberatung RichtigRichtig.com aber sagt: Es gibt genug exzellente Talente und Bewerber. Unternehmen gelingt es aber nicht, die passenden Mitarbeiter zu finden.

Unternehmen schauen demnach oft nicht genau genug hin. Diese These vertritt man auch im Buch „Das beste Anderssein ist Bessersein“ (Redline Verlag). Bei der Mitarbeiterauswahl setzen viele Unternehmen immer noch auf das klassische Vorstellungsgespräch. Dabei sind die Rollen klar verteilt, beide Seiten kennen die üblichen Fragenkataloge. Doch dieses „Laientheater“ führt selten zu exzellenten Ergebnissen.

Erstens liefern standardisierte Vorstellungsgespräche nur ein verzerrtes Bild vom Bewerber. Zweitens neigen wir oft dazu, Menschen einzustellen, die uns selbst möglichst ähnlich sind. So castet man Klone, anstatt Perlen zu finden. Und: Wenn alle Unternehmen die gleichen Kriterien anlegen, ist es klar, dass es schwer wird, engagierte und gute Mitarbeiter zu finden.

Wie glücklich sind Sie auf einer Skala von eins bis zehn?

Als Personalberater mit Coaching Ausbildung kann ich das nur unterstreichen. Es ist einfach wichtig, soziale Komponenten und Soft Skills zu beleuchten, um schlussendlich sicher sein zu können, dass der jeweilige Bewerber charakterlich zum Unternehmensumfeld passt und sich dort auch wohl fühlt. Wie kann diese Alternative in der Praxis aussehen? Der US-amerikanische Online-Versender Zappos zum Beispiel fragte seine Bewerber: „Wie glücklich sind Sie auf einer Skala von eins bis zehn?“

Hintergrund dieser Frage ist die Erkenntnis, dass glückliche Menschen bessere Lösungen auch für Probleme im Beruf finden. Zweitens bietet Zappos Bewerbern an, das Unternehmen nach einer Woche wieder zu verlassen und dabei 2.000 Dollar mitzunehmen – oder zu bleiben. Mutig! Die Folge: Es bleiben nur jene Bewerber die auch wirklich langfristig für das Unternehmen arbeiten wollen und dieser Versuchung widerstehen.

Autisten und Blinde gesucht

Neben Haltung und Leidenschaft spielt für jeden Beruf das Talent eine Rolle. Eine Qualität, die auch ein weichgespülter und aufgehübschter Lebenslauf nicht zwingend abbildet. Ein Punkt, über den wir uns bei der Definition einer Stelle oft viel zu wenig Gedanken machen.

portrait beautiful happy girl holds two masks isolated grey wall background. Human face expressions, emotions, feelings, bipolar state of mind conceptSo sucht das Softwareunternehmen SAP gezielt nach begabten Autisten für spezielle Programmierarbeiten, die eine hohe Konzentration erfordern. Und das Vorsorge-Projekt „discovering hands“ setzt den überlegenen Tastsinn blinder und sehbehinderter Frauen im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung ein.

Hier sind Einfühlungsvermögen und Kreativität wichtiger als eine Eins in Latein oder Altgriechisch. Unternehmen, die so denken, haben bei der Mitarbeitersuche einen unschätzbaren Vorteil.

Charakter einstellen, Fähigkeiten trainieren

Formale Qualifikationen wie Business-Englisch oder Computerkenntnisse lassen sich nachschulen – Leidenschaft für die Aufgabe und echte Talente aber nicht. Das zeigt auch die Erfahrung von Carsten K. Rath, der schon Grand-Hotels auf der ganzen Welt geleitet hat.

Deshalb hat er den Grundsatz „Hire character. Train Skill!“ von Ex-Industriemanager Peter Schutz verinnerlicht. Er ist davon überzeugt: „Echte Talente sind da. Sie schauen nur manchmal anders aus als in der Klischeevorstellung der Personaler und Unternehmer.“

 

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(Bildnachweis Business photograph designed by Freepik und  pathdoc by Fotolia)

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