Das Wort fehlt in kaum einer Stellenanzeige: Teamfähig. In jeder fünften wird Arbeit im Team und Teamfähigkeit sogar explizit eingefordert, wie das Jobportal Monster ausgezählt haben will. Natürlich ist es ein ebenso schwammiges Synonym wie Belastbarkeit. Wer sagt schon im Bewerbungsgespräch, dass er in der heutigen Zeit nicht belastbar ist. Dennoch zeigt es, was in einer Gesellschaft für wichtig und richtig gehalten wird.

Kreativität ist auch so ein Wort. Kreativ sollen und wollen alle sein. Angeblich wünschen sich auch die meisten Arbeitgeber einen kreativen Arbeitnehmer. Neues erschaffen, das ist natürlich gut in einer Gesellschaft, die kein anderes Ziel mehr kennt als die Erzeugung und den Konsum immer neuerer und zahlreicherer Waren und Dienstleistungen. Allerdings zu kreativ sollen die Arbeitnehmer dann, speziell im Team, auch nicht sein. Es könnte ja auch sein, dass die Kreativen insgeheim auch als Tagträumer gesehen werden und schließlich will der Tag doch effizient genutzt werden. Sie sehen, man muss vorsichtig mit Klischees sein, allzu schnell droht man abzugleiten. Gesellschaftliche Verallgemeinerung eben.

Aber so richtig ernst können es die meisten Arbeitgeber mit der Kreativität dann sowieso nicht meinen.

Marketing Analysis with Business Meeting ConceptDenn wenn der Begriff der Kreativität und seine Voraussetzungen wirklich ernst genommen werden, dann stünde in Stellenbeschreibungen seltener das Team und stattdessen ein Wort, das da fast nie auftaucht: Allein. Man würde dann vielleicht solche Anzeigentexte lesen: „Wir erwarten von Ihnen schöpferisches Arbeiten mit klugen, innovativen Gedanken. Wir werden Sie in diesem Sinne möglichst viel allein lassen, daher werden kreative Einzelgänger bevorzugt.“

Jeder, der wirklich Neues schaffen will, sei es ein Computerprogramm, ein Kochrezept oder einen Zeitungstext, der weiß aus eigenem Erleben, dass das nur gut geht, wenn man zumindest in gewissen entscheidenden Momenten allein sein kann.

Man kann die Kunst- und Literaturgeschichte ebenso durchforsten wie die der großen Erfindungen. Meist wird man feststellen, dass die entscheidenden Momente in der Entstehungsgeschichte großer Werke einsame Momente sind.

SolitudeZumindest die zündende Idee, die am Anfang aller großen Werke steht, entstand meist in einem einzigen Gehirn, das nur mit sich selbst und der Sache beschäftigt war. Forscht man nach den Umständen, unter welchen diese Idee aufkam, so liest und hört man selten: „Ich saß gerade in einem Meeting und arbeitete mit den Kollegen im Team zusammen“.

Brainstorming generiert Banalitäten

In vielen Unternehmen hält man Brainstorming und Meetings für das Mittel der Wahl, gute Ideen zu generieren. Was kann aber dabei herauskommen, wenn jeder aus einer Gruppe das Erstbeste, was ihm in hektischer Atmosphäre durch den Kopf schießt, ausruft oder an eine Tafel schreibt? Nichts anderes als eine Sammlung von Banalitäten. Der Druck in einem zweistündigen Meeting alle Ideen für Veränderungen im gesamten nächsten Jahr einbringen zu müssen, lässt in der Regel dieses Vorhaben gründlich scheitern. Ist der Computer das Ergebnis eines Brainstormings? Nein, es waren geniale Einzelgänger wie Konrad Zuse, Bill Gates, Steve Wozniak. Nur muss man andererseits auch sagen, dass letzterer den Apple I ohne Steve Jobs niemals so vermarktet hätte. Ein gutes Beispiel dafür, dass auch zwei ungleiche Einzelgänger ein Team formen können. Ohne den Egoismus von Steve Jobs, ohne seinen ausgeprägten Sinn für Einfachheit und vollkommenes Design, aber auch die menschenverachtende Sturheit eines Einzelgängers wäre Apple in dieser Form nicht entstanden. Ohne Wozniak´s technische Genialität hätte Apple kein Produkt gehabt.

(Bildnachweis: Designed by Freepik und Fotolia)

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